{"id":983,"date":"2017-06-29T14:33:18","date_gmt":"2017-06-29T12:33:18","guid":{"rendered":"https:\/\/felix-arntz.me\/?p=983"},"modified":"2025-02-11T08:12:24","modified_gmt":"2025-02-11T16:12:24","slug":"inklusivitat-komfortzone-und-die-deutsche-blase","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/felix-arntz.me\/blog\/inklusivitat-komfortzone-und-die-deutsche-blase\/","title":{"rendered":"Inklusivit\u00e4t, Komfortzone und die deutsche Blase"},"content":{"rendered":"<p><em>As you may recognize from the title, this post is written in German. That is because its target audience is the German community in particular. It will probably be the only German post on my blog, so please forgive me for doing that. I&#8217;m sorry, and I hope you don&#8217;t feel left out.<\/em><\/p>\n<p>Wenn eine nicht-deutschsprachige Person die Einf\u00fchrung oben gelesen hat, werden meine Entschuldigungen wohl nicht dar\u00fcber hinweg helfen, dass sie sich m\u00f6glicherweise von diesem Beitrag ausgeschlossen f\u00fchlen. Ich halte dies also f\u00fcr eine gute Einleitung f\u00fcr diesen Beitrag, den ich explizit an die deutsche Community richten m\u00f6chte: Viele von uns tendieren n\u00e4mlich dazu, in unserer Komfortzone zu bleiben (#GermanBubble) &#8211; was an sich nat\u00fcrlich jedem selbst \u00fcberlassen ist, aber teilweise ein recht exklusives Gef\u00fchl an WordPress Community-Mitglieder aus anderen L\u00e4ndern vermittelt. In diesem Beitrag m\u00f6chte ich n\u00e4her darauf eingehen. Der Beitrag mag an einigen Stellen \u00fcberaus kritisch erscheinen, doch ich m\u00f6chte nicht, dass sich jemand vor den Kopf gesto\u00dfen f\u00fchlt. Ich mag euch sehr und viele von euch sind mir gute Freunde geworden, trotzdem ist es f\u00fcr mich an der Zeit, ein unbehagliches Ph\u00e4nomen, das ich seit l\u00e4ngerem sehe, mal \u00f6ffentlich auszusprechen. Mein Ziel ist es vor allem, ein Nachdenken \u00fcber die Thematik zu f\u00f6rdern und das eigene Verhalten zu reflektieren.<!--more--><\/p>\n<h2>Die deutsche Blase<\/h2>\n<p>Als ich damals zu meinem ersten WordCamp in Sevilla gekommen bin, wurde ich sofort von den \u00fcberaus freundlichen Mitgliedern der deutschen WordPress-Community willkommen gehei\u00dfen. Ich kann nicht in Worte fassen, wie dankbar ich f\u00fcr diese schnelle Integration in die Community bin, denn in meiner vorherigen Vorstellung h\u00e4tte das alles auch ganz anders laufen k\u00f6nnen. Wegen euch bin ich heute hier.<\/p>\n<p>Ich wurde damals schnell mit der Begrifflichkeit der &#8220;German Bubble&#8221; bekannt gemacht und empfand das Ganze auch sehr lustig &#8211; wir sind halt ein ulkiges V\u00f6lkchen, dass wir uns selbst im fernen Spanien vor internationalem Publikum wieder in den gewohnten Kreisen wiederfinden. \u00dcber die folgenden zwei Jahre, die ich jetzt in der WordPress-Community unterwegs bin, hat das ganze f\u00fcr mich aber einen faden Beigeschmack bekommen. Meine Aufnahme f\u00fcr mich in die deutsche Community damals war unbeschreiblich motivierend und f\u00f6rderlich. Dennoch frage ich mich gleichzeitig, ob dies auch f\u00fcr die damals schon etablierten Gesichter der Fall war: Ich habe immer bei besagtem WCEU ab und zu mal wieder mit Besuchern aus anderen L\u00e4ndern gesprochen und vereinzelte Kontakte gekn\u00fcpft, aber wenn es dann darum ging, unterwegs zu sein, abends essen zu gehen, am Pool zu sitzen, dann war ich immer im Kreise der deutschen Community &#8211; ausschlie\u00dflich der deutschen Community. Das habe ich damals nat\u00fcrlich nicht hinterfragt, das ist erst sp\u00e4ter irgendwann aufgekommen.<\/p>\n<p>Viele von uns tendieren dazu, unter unseren Landsm\u00e4nnern und -frauen zu bleiben. Was bei einem WordCamp K\u00f6ln oder Berlin v\u00f6llig nat\u00fcrlich ist, nimmt aber teils groteske Z\u00fcge an, wenn in Orten wie Sevilla, London oder Paris jeden Tag deutsche mit deutschen essen gehen und dabei miteinander deutsch sprechen. Es ist durchaus ein sch\u00f6nes Gef\u00fchl, ein WordCamp als eine Art Klassentreffen aufzufassen, wo man altbekannte Gesichter wieder trifft. Aber ich gehe mal davon aus, dass die meisten von uns auch an neuen Kontakten interessiert sind. Klar, die macht man in der deutschen Community auch &#8211; aber die internationale Vielfalt und der Luxus, den wir haben, dort umher reisen zu k\u00f6nnen sollten doch auch ein Ansporn sein, dar\u00fcber hinaus Personen mit v\u00f6llig anderen Hintergr\u00fcnden kennenzulernen. Mit exklusiven in deutsch gehaltenen Treffen am Abend von WordCamps, deutschen Kreisen, die geschlossen auf WordCamps herumlaufen, deutschen WordCamps ohne englische Tracks oder \u00dcbersetzungen verbauen wir uns solche M\u00f6glichkeiten aber weitgehend. Eine kleine Anmerkung, ich bin \u00fcberzeugt, dass wir nicht die einzige landesweite Community sind, die solch ein Problem hat (zumindest ich pers\u00f6nlich sehe es als Problem an). Ich kann allerdings nur von der deutschen Community sprechen, da ich weitaus mehr ihrer Mitglieder kenne als die anderer L\u00e4nder, daher bezieht sich dieser Beitrag auch auf uns.<\/p>\n<h2>Unsere Komfortzone, die deutsche Sprache<\/h2>\n<p>Es ist v\u00f6llig klar: Es f\u00e4llt jedem von uns leichter deutsch zu sprechen als englisch zu sprechen. Und es ist zugegebenerma\u00dfen etwas unfair, dass es Leute gibt, deren Muttersprache dieses Englisch ist und die sich folglich nicht bem\u00fchen m\u00fcssen. Ich kann voll und ganz verstehen, dass es auf einem WordCamp Europe auch sch\u00f6n ist, nach all dem anstrengenden Englisch auch mal wieder einen Abend in deutsch zu verbringen. Und auch kann ich es verstehen, wenn Leute, die tats\u00e4chlich nie englisch gelernt haben, sich ungern nach au\u00dferhalb deutscher Gruppen begeben. Doch wenn schon unmittelbar nach der Ankunft an einem WordCamp-Austragungsort au\u00dferhalb Deutschlands die ersten Tweets &#8220;Heute Abend wer Lust, in der German Bubble essen zu gehen?&#8221; anstatt &#8220;Who&#8217;s already in town? Dinner plans for tonight? [WordCamp-Hashtag]&#8221; lauten, schlie\u00dft man damit von Vornherein anderssprachige Besucher aus. Doch auch bei einem gr\u00f6\u00dftenteils lokalen deutschen WordCamp treten verwandte Ph\u00e4nomene auf: Wenn wir Besucher aus anderen L\u00e4ndern haben, die mutig und interessiert genug waren, den weiten Weg auf sich zu nehmen, diese dann aber beim ganzen WordCamp nur mit den drei anderen nicht-deutschsprachigen Besuchern in Kontakt treten, weil bei Gespr\u00e4chsrunden, obwohl man sich der Anwesenheit dieser Community-Mitglieder bewusst ist, au\u00dfer &#8220;Hello&#8221; gr\u00f6\u00dftenteils deutsch gesprochen wird, werden es sich diese f\u00fcr das n\u00e4chste Mal genauer \u00fcberlegen, ob sie die Reise nochmal antreten wollen.<\/p>\n<p>Diese Ausschlie\u00dfung der Communities anderer L\u00e4nder und Sprachen limitiert nicht nur uns, neue Leute zu treffen (wenn wir das nicht wollen, ist das unser gutes Recht) &#8211; sie limitiert auch die anderen, uns n\u00e4her kennenzulernen und wirft m\u00f6glicherweise ein schlechtes Bild auf unsere &#8220;exklusive&#8221; Community. Die Tatsache, dass wir mit dem wohlgemerkt englischsprachigen, also f\u00fcr fast alle verst\u00e4ndlichen Begriff &#8220;German Bubble&#8221; damit haushalten (wenngleich meist im Spa\u00df), macht es nicht einfacher.<\/p>\n<p>Vielleicht ist es aber auch gar nicht die Sprache, sondern die Tatsache, dass ihr euch in der deutschen Community so wohl f\u00fchlt (was ich vollkommen verstehe, denn unsere Community ist der Hammer!). Da kann es schwerfallen, neue Kontakte kennenzulernen, wenn es doch bei uns so gut l\u00e4uft. Auch hier w\u00fcrde ich ermutigen wollen: Nat\u00fcrlich kostet es Zeit, eine Beziehung aufzubauen. Aber im Allgemeinen habe ich die Erfahrung gemacht, dass andere Mitglieder der WordPress-Community genauso offenherzig sind wie wir. Und sollte man mal mit einer Person nicht so gut zurecht kommen, ist es ja v\u00f6llig legitim, diesen Kontakt nicht zu vertiefen. Was auch immer die jeweiligen Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind, dass ihr euch zum Gro\u00dfteil in der German Bubble bewegt &#8211; versucht, diese Gr\u00fcnde zu ermitteln und \u00fcber euren Schatten zu springen. Gerne k\u00f6nnt ihr solche Punkte in den Kommentaren unterbringen, ich w\u00fcrde mich da \u00fcber entsprechendes Feedback freuen.<\/p>\n<p>Ich muss hinzuf\u00fcgen, dass ich \u00fcberzeugt davon bin, dass die erw\u00e4hnten Auswirkungen der German Bubble-Bewegung nicht die Intention sind, ich glaube es ist vielmehr dem zuzuschreiben, dass viele von uns ungern unsere Komfortzone verlassen. Wir haben eigentlich in unserem Land eine &#8220;Willkommenskultur&#8221;, und ich denke alle von uns vertreten diesen Standpunkt. Doch die deutsche Blase und deren allseits gegenw\u00e4rtige Pr\u00e4senz vermitteln meiner Meinung nach, wie gesagt wahrscheinlich unabsichtlich, eine gegenteilige Message.<\/p>\n<h2>F\u00fcr eine inklusive German Bubble<\/h2>\n<p>&#8220;German Bubble&#8221;, das ist eine witzige Sache und es ist v\u00f6llig legitim, Bilder mit ausschlie\u00dflich deutschen Community-Mitgliedern im Ausland auf Twitter mit diesem Hashtag zu branden. Wenn wir den Begriff aber Leuten aus anderen L\u00e4ndern erkl\u00e4ren, dann sollte er bei dieser rein lustigen Bedeutung bleiben und nicht den anderen Personen unterbewusst das Gef\u00fchl vermitteln, dass wir so etwas tats\u00e4chlich haben und gerne leben.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte daher euch alle dazu anregen, euer Verhalten dahingehend zu hinterfragen. Vielleicht habt ihr euch ohnehin schon von dieser &#8220;Bewegung&#8221; distanziert. Vielleicht ist es euch egal und ihr wollte in der deutschen Blase bleiben. Ansonsten versucht einfach mal in erh\u00f6htem Ma\u00dfe, Leute aus anderen L\u00e4ndern kennenzulernen. Selbst wenn ihr denkt, dass ihr nicht gut englisch sprechen k\u00f6nnt: Genauso viele Leute aus anderen L\u00e4ndern haben die gleichen Probleme, und englische Muttersprachler haben volles Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr. Wenn ihr etwas nicht versteht, seid mutig und fragt nach &#8211; niemand sollte sich wegen gewisser Sprachkenntnisse sch\u00e4men m\u00fcssen. Zu guter Letzt: Was ich mir selbst gerne einrede, ist, dass es viel unkritischer ist, wenn ich in Englisch etwas v\u00f6llig falsches oder unangebrachtes sage (nat\u00fcrlich unabsichtlich). Wenn wir englisch sprechen, genie\u00dfen wir eine gewisse Narrenfreiheit, und das ist doch auch eine ganz coole Sache, die wir in unserer Muttersprache Deutsch weniger haben. Versucht in diesem Sinne, nach au\u00dfen hin offener zu sein. Wenn sich Leute mit anderen Sprachen in eure deutsche Gruppe einklinken, nehmt R\u00fccksicht und wechselt auf Englisch. Ich w\u00fcrde mich freuen, anstatt Foto-Tweets wie &#8220;German Bubble beim Abendessen&#8221; oder &#8220;Person X und die German Bubble&#8221; lieber Dinge wie &#8220;New fusion between Italian, Swedish and German bubbles&#8221; zu lesen, und im besten Fall irgendwann einfach den Begriff &#8220;German Bubble&#8221; bis auf ein paar vereinzelte Spa\u00df-Posts los zu sein.<\/p>\n<h2>Nachwort<\/h2>\n<p>Meinen Unmut diesbez\u00fcglich zu vermitteln, liegt mir schon seit einiger Zeit auf dem Herzen. Wie gesagt, ich wollte damit niemanden vor den Kopf sto\u00dfen und ich habe auch keine speziellen Personen im Kopf &#8211; es ist einfach ein generelles Ph\u00e4nomen, das ich sehe. Ich hoffe, dass das niemand als pers\u00f6nlichen Angriff aufnimmt und dass wir uns alle weiterhin in die Augen sehen k\u00f6nnen. Es ist mir immer schwer gefallen, das Thema \u00f6ffentlich anzusprechen, weil ihr mir am Herzen liegt und ich ungern streiten oder solche kritischen Themen aufbringen m\u00f6chte, aber irgendwann musste es mal raus. Ich habe vor allem bei diesem WordCamp Europe die rein deutschsprachigen Gruppierungen weitgehend gemieden und dadurch leider einige von euch nur sehr kurz gesehen. Das liegt aber ausschlie\u00dflich an meiner oben dargelegten Sichtweise auf die Dinge und nicht daran, dass ich lieber etwas mit anderen Leuten machen m\u00f6chte. Im Nachhinein fand ich es eigentlich sehr schade, dass es so war. Ich hoffe aber, dass wir es in Zukunft mehr hinbekommen, uns vollst\u00e4ndig durchzumischen. Denn unsere autonomen Gespr\u00e4che innerhalb unserer Landsleute haben wir auf unseren Meetups und lokalen WordCamps doch eigentlich genug; selbst wenn wir hin und wieder mal englisch sprechen, weil Personen anderer Sprachen dabei sind, bleiben wir uns doch immer Kern immer treu, und das ist gut so.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>As you may recognize from the title, this post is written in German. That is because its target audience is the German community in particular. It will probably be the only German post on my blog, so please forgive me for doing that. I&#8217;m sorry, and I hope you don&#8217;t feel left out. 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